Die Dörfer Kolfuschg und Corvara

Kolfuschg

Obwohl die Entwicklung zweier so kleiner Dörfer wie Kolfuschg und Corvara parallel verlaufen ist, entpuppt sich ihre Geschichte trotzdem als sehr unterschiedlich.

Kolfuschg wird zum ersten Mal in einem Dokument von 1153 erwähnt. Der Graf von Säben erstand das Dorf vom Innichner Abt. Damals soll Kolfuschg eine Weide gewesen sein, auf der die Lajener und Grödner Bauern ihre Tiere trieben. Mit der Zeit siedelten sie sich an und überwinterten auch dort. Die ersten Kolfuschger Bauernhöfe waren im Besitz der Adeligen. Seit 1296 gehörte Kolfuschg zur Herrschaft von Wolkenstein und des Bischofs von Brixen. Kirchlich gehörte es zur Pfarrei Lajen, weshalb die Bevölkerung von Kolfuschg nach Lajen zur Messe ging und ihre Toten dorthin zur Bestattung brachte. Der Weg verlief über Puez, das Langental und Gröden.

Im Jahre 1419 wurde dem Hl. Vigil eine kleine Kapelle geweiht. In dieser Zeit kam Kolfuschg zur Pfarrei St. Christina und im Jahre 1515 gewährte ihnen der Pfarrer von Lajen einen ganzjährigen Priester. 1680 wurde Kolfuschg von Lajen getrennt und mit der Pfarrei Buchenstein vereint. Im Jahre 1827 kam es zum Gericht Enneberg, zu dem Corvara schon immer gehörte.


Corvara

Corvara wird zum ersten Mal im Jahre 1296 in einem Dokument von Girardo de Coruera erwähnt. Im Unterschied zu Kolfuschg gehörte Corvara zur Herrschaft Enneberg-Gadertal und zum Gericht der Sonnenburger Abtei. Während die Besiedlung von Kolfuschg von Lajen aus begann, kamen die ersten Bewohner von Corvara höchstwahrscheinlich aus dem St. Lorenzener Raum. Im Jahre 1347 wird zum ersten Mal eine Kirche erwähnt, die 1452 der Hl. Katarina geweiht wurde, in der ein Pfarrer aus Abtei die heilige Messe las. Im Jahre 1962 wurde die neue Kirche dem Herz Jesu geweiht.

Obwohl Corvara und Kolfuschg für längere Zeit nicht zum gleichen Gericht und zur gleichen Pfarrei gehörten, gibt es mehrere Ereignisse, die die zwei Dörfer vereinen.

In der Zeit der Pest, der Pockenepidemie, des großen Erdbebens, der Hungersnot und während des Krieges hatten es unsere Ahnen nicht leicht. Es gedieh nur Gerste, später dann Kartoffel, die zudem aber noch froren, sodass die Leute gezwungen waren, Kräuter, Wurzeln oder Stroh zu essen. In diesen schweren Zeiten war von unserer Bevölkerung Hilfe und Gemeinschaftlichkeit seitens der Nachbarn, sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite des Jochs, sehr gefragt. Erst um die Jahrhundertwende begannen die zwei Dörfer von Corvara und Kolfuschg, dank ihrer wunderbaren Lage mitten in den Bergen und dank ihrer herrlichen Blumenwiesen, auf der ganzen Welt bekannt zu werden. Die Dolomitentäler wurden von Leuten aus überall her besucht, sicherlich auch wegen der Verdienste der damaligen Bergführer und Skilehrer. Im Jahre 1947 wurde in Corvara der erste Sessellift Italiens, und zwar jener, der auf den Col Alto führte, staatlich geprüft. In den sechziger Jahren trieb das Wohlhaben und die generelle Entwicklung scharenweise Touristen aus aller Welt in unser Tal, sodass innerhalb weniger Jahre Hotels, Pensionen, Restaurants, Bars, Geschäfte und Garnis errichtet wurden. Es wurden viele Arbeitsplätze geschaffen, die heutzutage großteils auch von auswärtigen Arbeitskräften besetzt werden.


Kolfuschg heute


Corvara heute